15. September 2023
Nach dem Frühstück, der Erledigung notwendiger Telefonate und der Versorgung mit ausreichend Wasser fahren wir wieder mit den EMBRAPA-Pickups zur Terra preta-Fläche in Belterra, wo Christoph und Tigi übernachtet haben.
Die beiden erzählen uns, dass sie nachts „Besuch von der Polizei“ hatten. Probleme gab es keine, offenbar wurden nur Luciettas Sorgen umgesetzt…
Drei Beamte der Militärpolizei, gekleidet wie Angehörige deutscher Spezialeinheiten, erscheinen dann erneut. Nachdem sie sich vergewissert haben, dass alles okay ist, sind sie kurze Zeit später auch schon wieder in ihrem rot-weißen Streifenwagen mit der großen Aufschrift „POLICIA“ verschwunden.
Wir setzen die Untersuchungen plangemäß fort. Nachdem die Luft- und Bodenuntersuchungen störungsfrei abgeschlossen sind, werden alle Apparaturen abgebaut und zum nur einige hundert Meter entfernten Kontrollplot gebracht. Dies machen wir mit den Pickups, müssen dazu aber, um dahin zu kommen, einen größeren Umweg fahren.
Das Bohrteam – tatkräftig unterstützt von Ithalo, Diego und Ismael – hat bis mittags 12 Bäume vermessen und die entsprechenden Holzproben gezogen.
Zum gemeinsamen Mittagessen fahren alle wieder ins Restaurant im nahegelegenen Belterra. Auf dem Weg zurück stoppen wir kurz an der schönen und renovierten Kirche und gehen hinein. Danach fahren wir weiter und erledigen die restlichen vier Kernbohrungen am Terra preta-Plot.
Die anderen sechs Teammitglieder beginnen mit den Messungen auf der Kontrollfläche.
Bis zum Abend sind auch dort alle Bohrproben genommen.
Bei dichtem Verkehr geht es eine gute Stunde lang die 50 km zurück nach Santarem.
Gerald, Reinhard und Ismael fahren kurz vor 20.00 Uhr – nach Zwischenstopp bei einem Supermercado, wo sie sich mit Wasser und Essen eindecken – zurück zur Untersuchungsfläche. Für Ithalo und Diego, die dort solange verblieben waren, geht’s zurück nach Santarem.
Am Plot müssen noch einige Arbeiten erledigt werden.
Gerald überprüft – mit Stirn- und Taschenlampe bewaffnet – nochmal alle Messeinrichtungen und lüftet alle acht Deckel der Messkammern für die Treibhausgasflüsse, um die Ausgangsposition wieder herzustellen.
Reinhard und Ismael tanken den Generator, unseren Running-mate voll auf. Er dankt es und läuft die ganze Zeit reibungslos. Danach muss noch der Platz für die Hängematten bestimmt werden. Der geeignete Platz am Rand des Regenwaldes und zwischen einzelnen Kautschuk-Bäumen muss zunächst hergerichtet, das darunter befindliche, mehr als kniehohe Gras mit Macheten kleingemacht werden.
Auch Blattschneide-Ameisen sind dort auf ihrer Straße, die schräg unter Geralds Hängematte verläuft, sehr aktiv. Es ist faszinierend anzusehen, wie sie im dichten Getümmel die schweren, ihre Körpergröße weit überragenden Blätterlasten hochkant auf ihrer im Gras gut erkennbaren Straße transportieren. Würden das Menschen machen, müssten diese vergleichbar ganze Häuserwände tragen.
Ein nächtliches Naturschauspiel der ganz besonderen Art!
Trotz des Generatorlärms, der die nächtlichen Geräusche des Regenwaldes nahezu verdrängt – nur den Zikaden gelingt es gelegentlich, diesen noch zu übertönen – und der von einem Bewegungsmelder von Zeit zu Zeit ausgelösten LED-Lampe finden die Drei bei sternenklarem Himmel und immer noch 30° C alsbald in einen erholsamen Schlaf.