13. September 2023
Um 2.00 Uhr ist die Nacht für uns zu Ende.
Wir packen unsere Rücksäcke und die anderen persönlichen Gepäckwagen und sind kurz nach 2.30 Uhr alle
in der Hotel-Lobby. Dort bringen wir auch unser gesamtes Equipment hin, das in einem Nebenraum gelagert ist.
Kurz vor 3.00 Uhr kommt Mario mit Aleksander, Ithalo, Diego und Ismael im EMBRAPA-Bus, in dem wir das Gepäck und die insgesamt 10 Personen sachgerecht verstauen. Bis zum Hafen brauchen wir gut 10 Minuten. Zum
ersten Mal erleben wir Manaus’ Straßen fast menschenleer.
Wir sind die ersten Gäste, die am Charterkai für die Amazonas-Schiffe ankommen, an dem auch unser Kai „DEUS EM 1° LUGAR“ liegt.
Nachdem wir unser gesamtes Equipment die 50 m bis zu unserem Fahrgastschiff, der „ANNA KAROLINE“ getragen haben, warten wir einige Zeit auf den Check-in. Langsam füllt sich der Abfertigungsbereich; auch zahlreiche fliegende Händler versuchen ihre Waren an die Passagiere zu bringen.
Um 4.00 Uhr beginnt der Check-in. Wir zahlen umgerechnet ca. 80 € pro Person für die Hin- und Rückfahrt und nochmals knapp 300 € fürs Übergepäck. Dann werden wir mit Reisepass eingecheckt. Ein rotes Armband ist das Ticket.
Pünktlich und dröhnend legt die „ANNA KAROLINE“ mit ihren 300 Sitzplätzen, von denen zunächst ca. ein Drittel belegt ist, um 5.00 Uhr im noch dunklen Manaus Richtung Santarem ab.
In lauter, eintöniger und gleichförmiger Fahrt geht es über den Amazonas.
Kurz vor 6.00 Uhr wird es langsam hell. Süßen Kaffee und stilles Wasser gibt es umsonst, andere Getränke gegen Bezahlung.
Der erste Stopp ist Itacoatiara, das wir um 9.00 Uhr erreichen – die Fahrt dauert damit genauso lange wie die 270 km mit dem Auto letzte Woche.
Nächster Halt ist Parintins, das wir gegen 12.00 Uhr erreichen.
Nachdem die ANNA KAROLINE“ wieder Fahrt aufgenommen hat, gibt es Mittagessen – ein Fisch- oder Fleischgericht – mit Einweggeschirr.
Um 18.00 Uhr erreichen wir Juriti. Es liegt bereits im Nachbarbundesstaat Para.
Dort erwartet uns eine Überraschung! Sechs bewaffnete Militärpolizisten betreten das Schiff.
Zunächst ist völlig unklar, um was es geht. Sie klettern in den Gepäckraum im Rumpf des Schiffes und kontrollieren dort Gepäckstücke.
Reinhard stellt sich als pensionierter deutscher Polizeibeamter vor und fragt nach. Freundlich und bereitwillig erklärt ihm einer der Polizisten, dass dies hier keine normale Kontrolle sei. Man habe einen Hinweis erhalten, der Veranlassung gebe, so zu verfahren. Es gehe um Drogen. Uns irritiert daher, dass sie keinen Drogenhund und Drogentests mitführen. Das Fehlen eines Hundes erklärt einer der Beamten humorvoll damit, er sei der Drogenhund.
Nach einer knappen halben Stunde ist der Einsatz – ohne etwas Verdächtiges zu finden – vorbei und die sechs Polizisten ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.
Kurz darauf geht die Sonne über dem
Amazonas unter und die Fahrt weiter bis Obidas, das wir um 20.20 Uhr erreichen. Zuvor gibt es noch einen Einweg-Becher voll Eintopf.
In Obidas muss nachgetankt werden.
Um 20.45 Uhr legen wir wieder ab und erreichen unseren Zielort Santarem um 23.30 Uhr (local time +1 Std.) – nach 17,5 Std. auf dem Amazonas.
Ein unvergleichliches Erlebnis!
Es dauert eine ganze Weile, bis unser gesamtes Gepäck von uns von Bord und nach und nach von der „ANNA KAROLINE“ über den Anlegekai an die Straße gebracht ist. Dort warten nur ein paar Minuten, bis uns ein Kollege von Aleksander mit einem EMBRAPA-Pickup dort abholt. Insgesamt dreimal fährt er, um uns alle und alle Sachen in unsere Basisstation, ein Hotel, zu bringen, die ca. 2 km entfernt liegt. Wir beziehen dort fünf Zweibettzimmer und sind froh, dass wir dort auch Internet haben.
Obwohl es schon deutlich nach Mitternacht ist, gehen Reinhold und Reinhard für ein letztes Bier in die Lobby, wo sich kurze Zeit später Ithalo, Diego und Ismael dazu gesellen. Um 2 Uhr ist dann auch für diese fünf endgültig Schluss.