3. September 2023: Kennenlernen der Flusslandschaft
Mit leichter Verspätung fahren wir kurz nach sieben Uhr die 5 km bis zum Hafen, an dem die Amazonas-Schiffe abgelegen.
Wir begrüßen Alexanders Familie – seine Ehefrau Cynthia und seine Kinder Caroline und Enrique.
Kurz vor acht legt das Boot ab. Unmittelbar nach Unterqueren der 3,5 km langen Rio-Negro-Brücke machen wir einen Halt.




Wer will, zieht sich eine Schwimmweste an und schwimmt mit den Delphinen, die von einem der Begleiter professionell mit Fischen anglockt werden. Immer wieder ein schönes, anmutiges Erlebnis.
Auch Tigi, Jakob und Reinhold, Cynthia, Caroline und Henrique lassen sich die glitschigen Streicheleinheiten nicht entgehen. Alle anderen genießen den Anblick von der Plattform und/oder gönnen sich einen süßen brasilianischen Kaffee.


Um kurz vor 9 Uhr geht die Fahrt weiter.
Nächster Stopp ist bei einer Ansiedelung Indigener, die – für touristische Zwecke – typisch gekleidet und angemalt sind. Sie zeigen uns eine Tanzvorführung und malen den Besuchern Muster mit schwarz-roter Farbe auf die Wangen, so wie wir es von „Häuptling Harbeck“ kennen, der zusammen mit seinem Ministerkollegen Cem Özdemir vor einigen Monaten auch hier war.



Wir finden diese Art von Massentourismus zumindest diskussionswürdig und grenzwertig. Deshalb schauen sich auch nicht alle das Schauspiel an. Darüber hinaus verzichten wir aber an dieser Stelle darauf, näher auf die interne Diskussion dazu einzugehen.
Nach dem typischen Mittagsbuffet geht es zu einer Fischstation, bei welcher alle Beteiligten die über 1m langen Pirarucu (großer Amazonas-Speisefisch) eigenhändig angeln können. Diese warten in einem abgetrennten Becken des Amazonas und springen begierig nach den leckeren Fischhappen.




Danach wartet der Höhepunkt und das Ziel der Schiffstour auf uns: Der Zusammenfluss von Rio Negro und Solemoeis. Schon von Weitem kann man die klare Trennlinie zwischen „schwarz“ und „weiß“ erkennen, die erst im Laufe von 10 km zu einer einheitlichen Farbe verschmilzt.


Die Flüsse unterscheiden sich im Wesentlichen durch folgende Faktoren:
1. Temperaturunterschiede – Solemoeis ist kälter
2. Unterschiedliche Dichte – Solemoeis hat höhere Dichte
3. Unterschiedliche organische Fracht Solemoeis hat mehr mineralische Schwebstoffe; er kommt aus den peruanischen und bolivianischen Anden. Der Rio Negro hat hat mehr Huminstoffe als Folge der großen Sümpfe und Moore im Einzugsgebiet, das bis nach Ecuador und Kolumbien reicht.
Alle sind fasziniert von diesem einmaligen Naturschauspiel und können sich gar nicht satt daran sehen.
Nach ca. einer halben Stunde geht es in flotter Fahrt zurück zum Ausgangspunkt unserer Erkundungsreise mit – zugegeben – auch touristischen Anreizen.
Vorbei an einer kilometerlangen Hafenlandschaft mit Containerriesen, wie man sie von europäischen Seehäfen kennt, sowie Schiffen, Booten und Barkassen. Ein buntes Potpourri aus Stadt, Hafen und Amazonas; faszinierende Bilder und Eindrücke, die nur schwer in Worte zu fassen lassen.


Gegen 16.00 Uhr legen wir an und fahren ins Hotel, wo wir den Abend ausklingen lassen. Im Rahmen einer längeren Teambesprechung bittet Christoph, dass jeder von uns seine bisherigen Eindrücke, Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge mitteilt. Es wird ein sehr offener, konstruktiver und vertrauensvoller Gedankenaustausch.